Der zweite Teil unserer Schottlandreise führt uns ausgehend von der pulsierenden Metropole Glasgow in die Highlands. Wir besuchen Kilchurn Castle und die Hafenstadt Oban. Am Ende dieser Etappe statten wir dem berühmten Loch Ness in Fort Augustus noch einen Besuch ab.

Eine Gast-Beitragsreihe von Marco Huck
Jeder kennt Schottland, und fast jeder, den man fragt, ist begeistert von diesem geschichtsträchtigen und landschaftlich atemberaubendem Land. Doch schaut man sich die beliebtesten Reiseziele der Deutschen an, taucht Schottland dort kaum auf. Offenbar wagen nur relativ wenige die vergleichsweise kurze Reise in den nördlichen Teil Großbritanniens.
Wir wollten in diesem Jahr herausfinden, was Schottland – schottisch-gälisch Alba – alles zu bieten hat. So planten wir schon Anfang April eine große Rundreise mit vier verschiedenen Übernachtungsorten, mit Hin- und Rückflug ab Frankfurt nach Glasgow.
Unsere Route: Nach der Landung in Glasgow verbrachten wir drei Tage in Kilmarnock. Anschließend ging es für drei Tage in ein winziges, abgelegenes Dörfchen in den Highlands südöstlich von Dalmally. Die dritte Etappe führte uns für vier Tage nach Ardgay, direkt am Ufer des Loch Migdale. Den Abschluss bildeten vier Tage in Arbroath an der Lunan Bay.
Etappe 2: Ab in die Highlands
Am vierten Tag lassen wir Glasgow hinter uns und fahren Richtung Dalmally, genauer zum Cladich House am Loch Awe. Das ist ein kleines, ca. 300 Jahre altes Häuschen und ein klassisches Bed & Breakfast, mit sehr netten Gastgebern. Unser Zimmer mit eigenem Bad ist richtig gemütlich und ordentlich eingerichtet, absoluter Geheimtipp. Das Haus liegt “in the middle of nowhere”, aber man erreicht z.B. Oban oder Fort William recht gut, das waren unsere nächsten Ausflugsziele. Achtet in den Highlands ein wenig auf eure Tankuhr, das Tankstellen-Netz ist dünn und die Öffnungszeiten nicht so großzügig wie in Deutschland. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Cladich House ist eine Rinderfarm. Die sehr freundlichen Bewohner waren äußerst hilfsbereit als wir Probleme mit dem Reifenluftdruck an unserem Mietauto hatten. Und sie freuen sich immer über ein nettes Gespräch.
Kilchurn Castle bei Regen
Am nächsten Tag machen wir uns auf Richtung Oban und stoppen morgens an der Ruine von Kilchurn Castle. Es regnet, aber genau dieses Wetter sorgt für richtige Highland-Stimmung und wer nach Schottland fährt hat selbstverständlich angepasste Klamotten dabei. Kilchurn Castle wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut und war die Basis von Clan Campbell of Glenorchy, einem der größten und mächtigsten Clans, die um 1430 die zentralen Highlands dominierten. Ein kurzer Fußweg führt zunächst über ein Feld, auf dem einige Highland-Rinder grasen. Die friedliebenden Tiere lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und so spaziert man einfach an ihnen vorbei.
Teile der Ruine sind einsturzgefährdet, daher steht man vor verschlossener Tür, aber ein Abstecher dahin lohnt sich aufgrund der herrlichen Landschaft und der tollen Atmosphäre trotzdem.
Hafenstadt Oban
Oban ist eine Stadt mit 8574 Einwohnern in Argyll and Bute (eine Council Area in Schottland) an der Westküste. Sie liegt in einer Bucht, der die kleine Insel Kerrera vorgelagert ist, so dass Oban sich durch eine sehr geschützte Lage auszeichnet.
Dunollie Castle nördlich von Oban
Ein Stück nördlich der Stadt liegt auf einer Anhöhe oberhalb der Straße die Ruine von Dunollie Castle. Der noch in seiner Form erhaltene Bergfried kann betreten werden und die erhöhte Lage ermöglicht eine gute Aussicht auf das Meer.
St. Conan’s Kirk
Die St Conan’s Kirk ist ein Kirchengebäude der presbyterianischen Church of Scotland in der kleinen schottischen Siedlung Lochawe. Das Gebäude liegt über den Ufern des Loch Awe, abseits der A85, die Oban mit Perth verbindet. 1971 wurde die St Conan’s Church in die schottischen Denkmallisten der höchsten Kategorie A aufgenommen. Die Kirche ist heute noch als solche in Verwendung. Das Gebäude wurde nach Plänen von Walter Douglas Campbell gebaut, dem Bruder von Archibald Campbell, 1. Baron Blythswood. Nach Baubeginn im Jahre 1881 wurde die erste Bauphase 1886 abgeschlossen. Zwischen 1907 und seinem Tode im Jahre 1914 erweiterte Campbell das Gebäude. Die Arbeiten wurden dann von seiner Schwester bis zu deren Tod 1927 fortgeführt. Die begonnenen Erweiterungen wurden 1930 im Auftrag fertiggestellt.
Fort Williams
Fort William liegt am Ufer des Loch Linnhe, der längsten Meeresbucht Schottlands, an den Mündungen der Flüsse Nevis und Lochy. Durch die Nähe zum Ben Nevis, dem höchsten Berg Großbritanniens, ist Fort William eine touristische Hochburg mit Einkaufsstraße, Hotels und Bars. Wobei zum Zeitpunkt unseres Besuches, im Juli, die Lage vor Ort relativ ruhig war.
Sehr empfehlenswert ist eine Bootsrundfahrt über Loch Linnhe, so kann man viel von der Gegend “mitnehmen”.
Loch Linnhe hat eine Länge von etwa 50 Kilometer und eine stark variierende Breite. An seinem südwestlichen Ende öffnet er sich in den Firth of Lorn. Loch Linnhe verläuft entlang der Linie des Great Glen Fault (Großtalverwerfung), der sich durch die Hochlande zieht, und ist die einzige Seebucht entlang dieser Verwerfung. Fort William liegt an seinem nordöstlichen Ende, wo der Fluss Lochy mündet.
Nicht weit von Fort William findet sich eine “Seal Island” zu der man Bootstouren buchen kann. Mit etwas Glück kann man Robben beobachten, die besten Monate sind April bis Oktober.
Zwar fährt das Boot recht nah an die “Seal Island”, aber für detailreiche Fotos empfehlen sich Brennweiten ab 400mm.
Valley of Glencoe und Fort Augustus
Fast alle Menschen finden schöne Landschaften schön. Während der Tour durch das Tal Glencoe zum gleichnamigen Dorf wird praktisch jeder Bauklötze staunen. Da reichen Worte nicht aus, deshalb einige Bilder.
Auf dem Weg von Fort William zum Fort Augustus fährt man am Commando Memorial vorbei, ein Kriegerdenkmal, daß den Britischen Commandos gewidmet ist, die im zweiten Weltkrieg hier in Achnacarry ausgebildet wurde. Die Statue überblickt das Trainingsgelände und bietet eine gute Aussicht auf Mount Ben Nevis und Aonach Mòr.

Fort Augustus
In Fort Augustus kann man auf das berüchtigte Ungeheuer von Loch Ness lauern. Ungeheuerlich sind aber eher die zahlreichen Touristenbusse und -ströme…

Nessie – seit Jahrzehnten das Highlight jeder Fotoausrüstung, nur leider nie im Bild.
Kurzes Fazit zu Fort Augustus: Wenn man das Ungeheuer von Loch Ness nicht sehen will, kann man hier einen Zwischenstop einlegen. Ansonsten eine Touristenfalle die man auch umfahren kann. Viele andere Lochs sind mindestens genauso schön wie dieses und nicht so extrem überrannt.
Alle Beiträge zu Schottland in 4 Etappen:

Über den Autor Marco Huck
Marco, geboren 1971 im schönen Rheinland-Pfalz, knipste schon als kleiner Knirps alles was vor die Linse geriet – auch wenn sich kein Film in der Kamera fand (Sparmaßnahmen der Haushaltsregierung).
Inzwischen verdient er seine Brötchen in Teilzeit als Auto- und Motorradfahrlehrer und studiert mathematisch-technische Softwareentwicklung an einer Fernuniversität. Das hat (zum Glück) alles nichts mit Fotografie zu tun, denn das ist offensichtlich sein Hobby was längst zur Leidenschaft geworden ist.
Am meisten Freude bereitet ihm der Weg der fortwährenden Verbesserung, der scheinbar endlos ist. Auch wenn dieser Weg manchmal steinig und holprig ist und sich am am Ende des Tages oft eine Menge Ausschuss auf den Speicherkarten ansammelt.










































