Mein Sommer mit Kodak Farbfilm: Der perfekte Film für heiße Tage.

Kodak Farbfilm

Sommer in der Stadt, das bedeutet brütend heiße Häuserschluchten mit viel Licht und Schatten, Reflexionen und morgens und abends den goldenen Schein der Sonne. Welcher Kodak Farbfilm eignet sich am besten, um diesen Look, dieses Gefühl und die Atmosphäre am besten einzufangen?

Kleine Anmerkung zu den verwendeten Filmbezeichnungen: Kodak hat 2026 den Vertrieb seiner Filme direkt übernommen, die bislang unter dem Dach der Firma Kodak Alaris mit den ursprünglichen Namen vertrieben wurden. Die meisten Fotografen werden genau diese Filme kennen, die ich für meine Stadt-Fotografie-Serie ausprobiert habe: Kodak Ektar 100, Kodak Portra 160, Kodak Gold 200, Kodak ColorPlus 200, Kodak Ultramax 400 und Kodak Portra 400. Inzwischen haben diese Filme im Direktvertrieb von Kodak teilweise neue Namen bekommen, drin ist aber weitestgehend dasselbe – auch wenn die Marketingabteilung ihr bestes gibt. Ich gehe deshalb erstmal nicht auf die neuen Namen der Filme ein, sondern komme auf den Punkt. Es ist warm, die Sonne knallt vom Himmel, welcher Film eignet sich wofür?

In der Stadt finde ich den Sommer die schönste Jahreszeit zum Fotografieren. Viele Menschen sind auf der Straße, man hat stets genug Licht auch für Filme mit geringer Empfindlichkeit und braucht auch nicht die lichtstärksten Objektive. Es geht eher darum, entspannte Momente am Morgen und Abends aber auch die Hektik des Mittags bei hartem Licht einzufangen. Denn Häuser, Schilder, Autos, Bäume zaubern wunderschöne harte Schatten, mit denen sich spielen lässt.

Warum Film?

Ich versuche meine Fotografie – auch meine Street-Fotografie – technisch etwas zu entschleunigen. Film ist ein Medium, bei dessen Nutzung ich aufmerksamer bin. Die Reduktion auf weniger Bilder und eine einfache Kamera, wie meine Nikon FM2. Deshalb habe ich mir dieses Sommerprojekt vorgenommen. Ich liebe Schwarz-Weiß und habe sehr lange einen großen Bogen um Farbfilme gemacht. Auch weil ich das Thema Scannen nicht ernst genug genommen habe und mit den ursprünglichen Ergebnissen nicht so zufrieden war. Auch war mir der Unterschied zwischen den vielen Farbfilmen nicht klar.

Deshalb fangen wir mal mit Kodak an.Ich habe die gängigsten Kodak Farbfilme genommen, die jeder Amateurfotograf auch problemlos beim Fotoladen um die Ecke, teilweise sogar in der Drogerie bekommen kann. Zumindest hier in Nürnberg bekomme ich praktisch überall die Klassiker Gold 200 oder Ultramax 400, oft auch in Packungen mit mehreren Filmen. Da lohnt es sich schonmal zuzugreifen, wenn man bestimmt Filme besonders mag. Aber: die Filme bilden die Welt unterschiedlich ab. Jeder hat seinen eigenen Charakter. Manche sind sich etwas ähnlich aber im Detail hat jeder seinen eigenes Profil. Man sollte den Film also nach Möglichkeit bewusst auswählen, je nachdem, welchen Look man erzeugen möchte. Sie unterscheiden sich erheblich in der Farbwiedergabe und Sättigung aber auch in der Auflösung und der Körnung und auch wie viele Fehler sie bei der Belichtung verzeihen.

Von Fein- bis Grobkörnig, der Print Grain Index (PGI) hilft weiter


Wer die Datenblätter der Filme genau studiert, was die wenigsten tun werden, kann dort auch sehr genaue Informationen zur Körnung der Farbnegativfilme finden. Zum Glück gibt es Menschen, die sich damit detailiert beschäftigen und die alle Informationen auf diesem Dokument zusammengefasst haben. Wie sich das Korn anfühlt, hängt auch von der Scan-Auflösung der der Vergrößerung ab – immer dran denken: Scannen ist teil des Prozesses. Grob kann man sagen, der feinste der von mir ausprobierten Filme ist der Kodak Ektar 100, gefolgt vom Portra 160. Die Qualität erinnert mich teilweise an ältere digitale Sensoren, bspw. den Look des 6-Megapixel-CCD-Sensors meiner Nikon D50. Der Kodak Gold 200 bildet einen richtig guten Kompromiss, denn die beiden erstgenannten Filme sind recht teuer. Kodak UltraMax 400 und Kodak ColorPlus 200 sind deutlich sichtbar körniger aber auch deutlich erschwinglicher. Kodak Portra 400 rundet das Portfolio nach oben ab mit höherer Lichtempfindlichkeit und dennoch feinem Korn und großartiger Farbwiedergabe.

Meine Erfahrungen mit den Kodak Farbfilmen

Ich freue mich über Feedback, wenn die hier beschriebenen Erfahrungen bei jemandem völlig anders aussehen.

Kodak Ektar 100

Mit Kodak Ektar 100 verbindet mich der Wiedereinstieg in die Filmfotografie. Ein guter Freund drückte mir eine Rolle abgelaufenen Ektar 100 in die Hand, ob ich den noch brauchen könnte. Er war nicht optimal gelagert aber was sollte schon passieren? Bei optimaler Belichtung erhält man Ergebnisse, mit sehr feinem Korn und sehr kräftigen und kontrastreichen Farben. Ich habe mehrere Rollen Ektar 100 fotografiert und alle waren etwas rötlicher abgestimmt, weshalb ich ihn nicht gern für Portraits oder Hauttöne verwende.

Beispielaufnahme mit Kodak Ektar 100

Für die klassische Street-Fotografie in der Stadt sollte man ihn bewusst einsetzen. Wer auf starke Kontraste und hohe Farbsättigung setzen möchte, kann mit dem Ektar Akzente setzen. Die Lichtempfindlichkeit von 100 erfordert häufig entweder ein Stativ oder Mittagssonne für gute Belichtung. Wenn das Licht nicht reicht, erhält man Bilder mit sichtbarem Korn und schlechten Kontrasten. 2026 kostet dieser Film im Kleinbildformat etwa 20€ für 36 Aufnahmen plus Kosten für die Entwicklung, so dass man mindestens 70ct pro Aufnahme kalkulieren muss. Auf diesem Bild kann man sehr gut sehen, wofür diese Film vor allem gemacht ist: Landschaftsaufnahmen mit hohem Dynamikumfang:

Landschaftsfotografie mit dem Kodak Ektar 100

Kodak Portra 160 / Kodak Ektacolor Pro 160

Selten war ich von Filmfotografie so positiv überrascht wie mit diesem Film. Der Portra 160 wird wegen seiner geringen Lichtempfindlichkeit selten empfohlen, zumal er mit etwa 20€ für 36 Aufnahmen ähnlich teuer ist, wie ein Ektar 100. Doch dieser Film ist wie gemacht für warme Sommertage in der Stadt. Ich habe erstmal nur eine Rolle fotografiert, deshalb muss man mit diesem Urteil hier etwas vorsichtig sein. Aber die Rolle war großartig. Belichtet bei ISO 160 in meiner FM2 lieferte er mir unfassbar schöne und stimmige Aufnahmen mit praktisch nicht sichtbarem Korn.

Beispielaufnahme mit Kodak Portra 160
Beispielaufnahme mit Kodak Portra 160

Die Farben sind pastellartig mit sanften Kontrasten, die Hauttöne sanft und doch gut abgestimmt. Der Portra 160 braucht wirklich viel Licht und liefert auch bei Fotos in der prallen Mittagssonne hervorragende Ergebnisse. Ich habe ihn stellenweise auch etwas überbelichtet, das hat vor allem den Farben noch mal sehr gut getan. Für mich ein klarer Geheimtipp – quasi ein Film gegen den Strom.

Beispielaufnahme mit Kodak Portra 160
Beispielaufnahme mit Kodak Portra 160

Kodak ColorPlus 200

Der ColorPlus 200 ist neben dem Gold 200 der günstigste Film von Kodak in dieser Auswahl. Wer noch günstiger Fotografieren möchte, kann zum etwas älteren und günstigeren Kodak Pro Image 100 greifen, den es oft nicht in Drogerien zu kaufen gibt, der aber online gut erhältlich ist und sich auch ungekühlt lange lagern lässt. Nach dem Scan der Negative sollten sich Pro Image 100, ColorPlus 200 und Gold 200 vermutlich nicht allzuviel nehmen. Aber zurück zum ColorPlus 200. Es gibt ein paar Dinge, die mir bei diesem Film stärker aufgefallen sind: Das Korn tritt deutlich auffälliger zutage im Vergleich zum Gold 200 oder auch zum empfindlicheren Kodak Ultramax 400. Die Schärfe ist nicht ganz auf dem Niveau dieser beiden Filme.

Beispielaufnahme mit dem Kodak ColorPlus 200
Beispielaufnahme mit dem Kodak ColorPlus 200
Beispielaufnahme mit dem Kodak ColorPlus 200

Die Farben wirken sehr warm, das kann man aber beim Scannen noch korrigieren. Mir fehlen die feinen Details, die bspw. ein Gold 200 gut wiedergeben kann. Die Emulsion ist aus den 1980er Jahren, d.h. die Bilder haben allesamt einen Vintage-Look, weil die Technologie einfach dieselbe wie vor 40 Jahren ist. Ich empfinde die Details und die Kontraste bei allen anderen hier vorgestellten Filmen etwas besser, aber ich ich muss fair sein: von diesem Film habe ich nur 2 Rollen fotografiert, das ist vielleicht zu wenig für ein gut abgewogenes Urteil. Aber es ist ein Eindruck.

Kodak Gold 200

Kodak Gold bietet meines Erachtens das beste Preis/Leistungsverhältnis für Fotografie im Sommer in der Stadt. Der Name hält was er verspricht: Warme Farben liefern den Kodak typisch goldenen Look mit einem sichtbaren aber nicht störenden Korn und gutem Dynamikumfang. Das Korn ist deutlich feiner als beispielsweise beim Gold 200. Ich habe diesen Film sowohl mit ISO200 als auch mit ISO100 fotografiert.

Beispielaufnahme mit Kodak Gold 200
Beispielaufnahme mit Kodak Gold 200
Beispielaufnahme mit Kodak Gold 200

Das Mehr an Licht wird mit etwas besserer Zeichnung in den dunkleren Bildbereichen belohnt, die Spitzenlichter reagieren unempfindlich auf Überbelichtung. Starke Unterbelichtung führt zum Abdriften der Farben ins Graubraune und deutlich sichtbarem Korn. Aber insgesamt fand ich den Gold 200 doch relativ genügsam und Fehlerverzeihend. Manchmal bekommt man den Kodak Gold 200 im Dreierpack für etwas über 20€ in den gängigen großen Drogeriemärkten. Zugreifen lohnt sich also, was man nicht braucht, kann in den Kühl- oder Gefrierschrank.

Kodak Ultramax 400

Manche bezeichnen ihn als günstige Alternative zum Portra 400. Für mich ist er das nicht. Ich bin auch nach mehrfachen Versuchen mit dem Kodak Ultramax 400 nicht so richtig warm geworden. Der Film ist mit ISO400 natürlich deutlich flexibler einsetzbar, beispielsweise in der Dämmerung oder auch wenn der Sommer so langsam in den Herbst abbiegt und es auch mal nebelig wird. Ich kann alle Aufnahmen mit dem Ultramax aus den hier aufgeführten sofort erkennen.

Beispielaufnahme mit dem Kodak Ultramax 400

Egal ob ich über die Negativ-Konversion meiner Nikon D780 oder über Fotografie des Negativ und Umwandlung mit Negative Lab Pro vorgehe: Ich sehe hier eine etwas kühlere Abstimmung. Die Farben tendieren zum Grünlichen oder Bläulichen. Ich habe auch schon von anderen Fotografen gelesen, dass sie her wärmere Farben erhalten haben, ähnlich wie bei Kodak Gold 200. Ich freue mich über Feedback dazu. Insgesamt fällt mir eine starke Farbsättigung auf, fast so stark wie beim Ektar 100, vor allem Rottöne knallen orderntlich. Wie bei vielen lichtempfindlicheren Filmen zeigt sich auch hier sichtbares Korn, das ich sehr vergleichbar zum Gold 200 finde. Die Kontraste sind angenehm kräftig. Der Film verzeiht hohen Dynamikumfang in Szenen beispielsweise in der Mittagssonne sehr gut, oft ist in den Schatten und Highlights ausreichend Zeichnung vorhanden. Auch mit gemischten Licht, teilweise natürliche Lichtquellen und teilweise Kunstlicht wird gut wiedergegeben.

Beispielaufnahme mit dem Kodak Ultramax 400

Ich habe nur wenige Portraits damit gemacht. Die Hauttöne sind korrekt, allerdings ist die Detailszeichnung nicht so fein, wie beispielsweise bei den teureren Portra-Filmen 160 und 400.

Vielleicht habe ich noch nicht ausreichend mit diesem Film fotografiert oder muss noch den richtigen Anwendungsbereich finden. Der Film ist meist geringfügig teurer als Kodak ColorPlus oder Kodak Gold, oft so um die zehn Euro für 24 Aufnahmen, 12 bis 13 Euro für 36 Aufnahmen.

Kodak Portra 400 / Kodak Ektacolor Pro 400

Mehr Flexiblität geht kaum. Der Portra 400 ist ein profesioneller Film mit hoher Lichtempindlichkeit, sanftem Korn und tollen Farben. Allerdings auch zu einem hohen Preis. Denn Portra kostet gern mal locker 20€ für 36 Aufnahmen. ISO400 bringt ähnlich wie beim Ultramax eine sehr hohe Flexiblität mit sich. Aufnahmen mit feinem Korn gelingen auch bei Mischlicht und in Schattenbereichen.

Beispielaufnahme mit Kodak Portra 400

Auch für Portraits eignet sich dieser Film hervorragend, ich mag die sehr natürlichen Hauttöne und die sehr detailreiche Zeichnung. Der Unterschied mit den günstigeren Kodak Gold zum Beispiel liegt darin, dass dieser Film noch mal mehr Fehler verzeiht. Eine Stufe unterbelichtet ist hier noch keine totale Katastrophe, nach oben hin mag dieser Film sowieso das Licht und profitiert mit besserer Zeichnung und Kontrasten.

Beispielaufnahme mit Kodak Portra 400

Wem der Preis egal ist, erhält hier einen Film, dessen Ergebnisse sehr nah an digitale Fotografie kommen. Bei manchen meiner Scans könnte ich es auf den ersten Blick gar nicht sagen. Wer allerdings den etwas charakteristischen Vintage-Filmlook sucht, könnte hier sogar enttäuscht sein, aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Mein Fazit: ein grandioser Film.

Nach dem Fotografieren geht es erst richtig los. Entwickeln, Scannen, Drucken


Wenn der Film voll ist, kommen die nächsten Schritte: Entwickeln und für diejenigen, die die Fotos in der modernen Welt teilen möchten, das Scannen. In Nürnberg empfehle ich für Selbstentwickler das Studio 95, betrieben vom gemeinnützigen Verein Entwicklungsprozess e.V. Mehr Informationen unter https://studio95nbg.de/de/. Wer nicht selbst entwickeln möchte oder selbst entwickeln kann, bringt den Film am besten zum nächstgelegenen lokalen Fotolabor, wenn es sowas noch gibt. Die sind oft nicht so viel teurer und ihr habt den Film teilweise am selben Tag wieder in den Händen. Wer möchte, kann dort auch gegen Aufpreis scannen lassen. Langfristig empfehlen sich hier Scan-Aufsätze für die Kamera und eine passende Software wie Negative Lab Pro. Nicht vergessen: Scannen ist Teil des Prozesses und hat auch nochmal einen entscheidenden Einfluss auf Look & Feel der Aufnahmen.

Fazit

Es gibt allein von Kodak eine tolle Auswahl an Filmen, die sich für die Street Fotografie eignen. Wer mit einer Kleinbildkamera loszieht, kann mit Kodak Gold 200 und ColorPlus 200 schon für knapp 7 Euro die Rolle losziehen und Erfahrungen sammeln. Anders als bei der Digitalfotografie sollte man lieber zu viel als zu wenig belichten, die Filme verzeihen das allesamt und danken es teilweise sogar noch mit mehr Details in den Aufnahmen. Perfekt also für warme und helle Sommertage in unseren Städten.

Je nachdem, welchen Look man gern erzielen möchte, bspw. Vintage, Goldene Farben, oder eher sanfte Töne, wählt man den Film und zieht los. Meine zwei Favoriten für die Stadt sind Kodak Gold 200 und Kodak Portra 160.

Street Fotografie lebt von Bewegung und Begegnung. Deshalb am Besten eine kompakte Kamera und eine Festbrennweite, wie ein kleines 50mm. Lichtstärke 2,8 reicht völlig, denn es ist Sommer und Licht ist genug da.