Als Nikon im Jahr 2011 mit dem AF-S Nikkor 50mm f/1.8 G endlich eine moderne Neuauflage des 50mm Objektivs mit Ultraschallmotor herausbrachte, habe ich zugeschlagen und mein altes Nikon AF Nikkor 50mm f/1.8 D verkauft. Mit dem 50er war ich immer zufrieden, weitere Details habe ich in meinem Erfahrungsbericht zum Nikon AF-S Nikkor 50mm f/1.8 G veröffentlicht. 2013 brachte Nikon eine Variante SE auf den Markt, die gemeinsam mit der Nikon Df erschienen ist. Jetzt stellten sich alle die Frage, gibt es hier irgendeinen Unterschied zwischen den beiden Objektiven?

Unterschiede im Preis:


Die Special Edition des Objektivs ist bei den meisten Händlern etwa 50€ teurer als die Standard-Variante. Die Preise für gebrauchte Objektive sind annähernd gleich.

Unterschiede in den Spezifikationen:


Bezüglich der von Nikon veröffentlichten Spezifikationen kann man nur sehr wenige Unterschiede entdecken – nämlich bei den Maßen und beim Gewicht. Die Maße resultieren aus dem geringfügig unterschiedlichen Gehäusedesign. Daraus resultiert vermutlich auch der geringe Gewichtsunterschied. Für die Standardversion des Objektivs wird von Nikon ein Gewicht von 185g an, für die SE Variante 190g. Nachgemessen war der Unterschied bei meinen beiden Objektiven noch geringer. Die Standard-Variante hat 183g und die Special Edition 187g auf die Waage gebracht. Ansonsten sind die Spezifikationen und auch das MFT-Chart identisch.

Unterschiede im Gehäusedesign:


Beide Objektive haben annähernd die gleiche Form. Am auffälligsten ist der an das Design der Nikon F, AI und AI-s angelehnte silberne Zierring der Special Edition.



Die sonst für die AF-S Nikkore typische goldene Aufdruck der Objektivbezeichnung entfällt. Stattdessen ist die Bezeichnung mit weißer Schrift unterhalb der Entfernungsskala aufgedruckt.



Der AF/MF-Schalter ist bei der Special Edition etwas näher an das Bajonett platziert, es handelt sich aber um exakt den gleichen Schalter. Der Fokusring der Special Edition ist gleich groß wie der der Standard-Edition, hat jedoch ein geringfügig anderes Muster in der Gummierung. Bajonett, Filtergewinde und auch das Zubehör, wie Objektivdeckel und die mitgelieferte Gegenlichtblende HB-47 sind identisch.



Durch den metallenen Zierring fühlt sich das Objektiv der Special Edition etwas wertiger an. Der verwendete Kunststoff des Gehäuses ist ebenfalls identisch. Die Verarbeitungsqualität ist ebenfalls gleich – beide Objektive neigen am Filtergewinde zu Beschädigungen, die entstehen, wenn er Objektivdeckel aufgesetzt wird.

Unterschiede in der Praxis:


Normalerweise habe ich nicht zwei Ausführungen des selben Objektivs zum Test, so dass ich meistens Serienstreuungen nur durch Reviews anderer Nutzer auf den einschlägigen Portalen erkennen kann. Nicht nur bei den Fremdherstellern wie Sigma oder Tamron gibt es Serienstreuung, auch bei Nikon scheint es diese zu geben. Zumindest unterscheiden sich beide Objektive im Fokusverhalten.
Die Standard-Variante habe ich seit 2011 an einer Nikon D50, D700 und an der Df verwendet. Bei allen Kameras, vor allem aber bei der Df habe ich einen leichten Backfokus festgestellt. Über die Kamera-Software kann man das korrigieren, so dass der Fokus zumindest dort sitzt, wo er soll. Dieses Problem kann ich mit der Special-Edition nicht feststellen, der Fokus sitzt auf Anhieb richtig. Dennoch sehe ich leichte Unterschiede im AF-Verhalten. Die Special Edition fokussiert an meiner Df geringfügig schneller, insbesondere im Nahbereich. Das ist mir besonders beim Fotografieren meiner spielenden Kinder aufgefallen. Ich kann mir das nur dadurch erklären, dass die Kalibrierung durch die Kamera-Software bei meiner Standard-Version nicht alle Probleme beseitigt. Jedoch ist es mir so möglich das 50er auch offen häufiger einzusetzen. Ich habe die Standard-Variante nicht gern bei f/1.8 eingesetzt, sondern meist auf f/2.8 oder f/3.2 abgeblendet.

Lohnt sich ein Wechsel, Lohnt sich der Mehrpreis der Special Edition?


Ich kann in den Bildern erwartungsgemäß hinsichtlich ihrer Farbgebung, Charakteristik und Ähnlichem keine Unterschiede feststellen. Deshalb kann ich also nur annehmen, dass es sich bei den von mir festgestellten leichten Abweichungen entweder um geringfügige Anpassungen der Feinabstimmung der Special Edition für die Nikon Df handelt oder dass ich Opfer einer gewissen Serienstreuung geworden bin. Sei es wie es ist, ich fotografiere ab jetzt mit der Special Edition. Da ich sowohl Kameras als auch Objektive grundsätzlich gebraucht kaufe, was ich auch absolut empfehlen kann, habe ich keinen Mehrpreis für die Special Edition zahlen müssen. Wer auf das Nikon F, AI, AI-s Look and Feel steht, kann problemlos zur neueren Variante greifen. Ich persönlich wäre jedoch nicht bereit, den Mehrpreis bei einem neuen Objektiv zu zahlen.


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