Nikon Df – Meine Langzeiterfahrungen

Nikon Df mit Nikon AF-S Nikkor 85mm f/1.8 G

Zuletzt aktualisiert im Januar 2020. Ursprünglich hieß dieser Artikel Nikon Df – ein guter D700 Ersatz? Aber ich habe mich inzwischen entschieden, ihn etwas zu aktualisieren und meine Langzeiterfahrungen zu schildern. Seit Mitte 2015 fotografiere ich mit meiner Nikon Df.

Inzwischen würde ich diesen Artikel gern eher als eine Liebeserklärung an eine wunderschöne Kamera bezeichnen. Denn auch 2020 lohnt es sich noch eine Nikon Df zu kaufen!

Warum habe ich eine Nikon Df gekauft? Die Vorgeschichte.

Fünf Jahre lang habe ich mit einer Nikon D700 fotografiert. Sie ist auch heute noch eine der gelungensten Digitalkameras, die je gebaut wurden und sie ist ein Meilenstein für Nikon. Da ich jedoch nach einer Kamera gesucht habe, die etwas weniger Gewicht auf die Wage bringt und gleichzeitig bei schlechten Lichtverhältnissen noch besseres Rauschverhalten an den Tag legt, habe ich mich nach einer Alternative umgeschaut. Ich habe wochenlang hunderte Testberichte, YouTube Reviews und Forenbeiträge gelesen und habe festgestellt – ich bin nicht allein. So wie mir geht es vielen Fotografen. 

Alle suchten einen Ersatz für die lieb gewonnene D700 und wussten nicht, zu welcher Kamera sie greifen sollten. Denn wie bei vielen Produkten hat sich Nikon entschieden keinen Nachfolger zu bringen und die Kunden in andere Segmente zu schicken. Heute sind mit der D750 oder D780 einige Kameras im Markt, die etwa das gleiche leisten, wie eine D700 oder auch die hier beschriebene Nikon Df.

Inzwischen sind es auch wieder 5 Jahre, die ich schon mit der Df fotografiere. Und ich schaue mich mal wieder um, denn auch die Df hat einige Punkte, die mich über die vielen Jahre stören. Mir sind mir in den vielen Jahren der Nutzung einige Sachen aufgefallen, die unbedingt beachtet werden müssen, vielleicht ist die Df nicht für jeden die perfekte Kamera. Für diejenigien, für die das kein K.O. Kriterium ist, kann die Df auch 2020 noch die ideale Kamera sein.

Das ist richtig klasse an der Nikon Df

Das Gehäuse:

Mit dem Body fühlt man sich auf Anhieb wohl. Die Df ist extrem leicht und kompakt und macht besonders in Kombination mit einer kompakten und leichten Festbrennweite sehr viel Freude. Man hat nie das Gefühl Ballast mitzuschleppen, wie bei den größeren Vollformat-Bodies. Die Verarbeitungsqualität und Haptik des Gehäuses wirkt trotz des Einsatzes von Kunststoffen nicht billig.

Nikon Df Rückseite
Nikon Df Rückseite

Der Body ist vom Sizing und Gewicht für kleinere Objektive ausgelegt. Die D700 und ähnliche Bodies der D800er Reihe fühlen sich auch mit einem großen Teleobjektiv gut ausbalanciert an, die Df wird dabei Kopflastig. Ich verwende, bis auf das Nikon 70-210mm f/4 fast ausschließlich kompakte Festbrennweiten und erfreue mich am geringen Gewicht und am ausbalancierten Handling des Gesamtpakets.

Da ich oft im manuellen Modus fotografiere, nutze ich die äußeren Einstellmöglichkeiten und Drehknöpfe häufig und gern. Besonders in Kombination mit ausschließlich manuell fokussierenden Objektiven fühlt sich das Fotografieren fast wieder wie mit einer Nikon FM2, FM3 oder meiner guten alten Praktika MTL-5B an. Wenn es schnell gehen muss, nervt es allerdings schon, dass ich nicht blind (also mit dem Blick durch den Sucher) die Knöpfe bedienen kann.

Die Kamera fällt insbesondere mit dem schwarzen Gehäuse gefühlt weniger auf, als klassische Spiegelreflexkameras. Das ist besonders dann wichtig, wenn sich das Motiv nicht durch die Kamera gestört werden soll, beispielsweise für Street und Eventfotografie.

Für einen D700 Umsteiger positiv zu erwähnen ist, dass diese Kamera endlich mal eine verlässliche Akkuanzeige hat. Sowohl bei meiner D50 als auch bei der D700 wusste ich, wenn der Akku den Status „voll“ verlässt, ist in wenigen Minuten Feierabend. Die Df schafft, je nach Monitor- und Liveview-Nutzung, bis zu 1400 Fotos mit einer Akkuladung – vorbildlich. Es ist ein kompakterer Akku als in der D700 verbaut, ein Zweitakku ist bei sparsamem Umgang mit dem Monitor nicht nötig.

Nikon Df Oberseite

Das Gehäuse hat in den letzten fünf Jahren viele Reisen mit mir erleben dürfen und wurde dabei zwar sorgsam aber auch nicht wie ein rohes Ei behandelt. Eine Kamera ist immer noch ein Werkzeug, das auch bei etwas widrigeren Bedingungen gut funktionieren muss. Das Gehäuse zeigt sich dabei als sehr robust.

Verschluss und Sensor:

Der Auslöser verrichtet leise und dezent seine Arbeit, der Quiet-Mode verdient seinen Namen allerdings nicht so richtig, da er die Auslösegeräusche einfach nur auf einen längeren Zeitraum streckt.
Ein Quantensprung im Vergleich zur D700: der Sensor. Das Verhalten des Sensors bei hohen ISOs ist wirklich traumhaft, man kann bis ISO12800 brauchbare Fotos machen, deren Rauschen bis ISO6400 nur durch eine dezente aber nicht störende Körnung zutage tritt. Der Wow-Effekt war bei mir genauso groß, wie beim ersten Nutzen der D700 vor vielen Jahren. Doch es ist nicht nur die Lichtempfindlichkeit, es ist auch die Dynamik und Farbwiedergabe besonders für Haut Töne, die mich begeistert.

Im Vergleich zu den modernen spiegellosen Z-Kameras mit Vollformatsensor ist das Rauschverhalten nicht mehr ganz auf Augenhöhe aber immer noch absolut ausreichend.

Das Bajonett und die Kompatibilität:

Was die Objektivauswahl betrifft, ist man überhaupt nicht mehr eingeschränkt, man kann auch bedenkenlos alles aus der Non-AI Ära mit F-Bajonett anschließen, wobei es zunehmend schwieriger wird, gut erhaltene Exemplare aus dieser Zeit zu bekommen. Für mich ändert sich hier zunächst nichts, eventuell kann ich bei der Anschaffung einer leichten Portraitlinse im 85mm oder 100mm Bereich auf ein Non-AI-Produkt zurückgreifen.

In diesem Artikel gibt es weitere Informationen zu Verwendung von manuellen Objektiven an Nikon F Kameras.

Ein Konzept, für das man sich Zeit nehmen muss:

Die Nikon Df hat meine Fotografie etwas verlangsamt – und das meine ich positiv. Ich nutze in der Regel tatsächlich die Einstellräder am Body, obwohl man alles auch wie bei den D700er und D800er Modellen über Menüs und Einstellräder machen kann. Es fühlt sich eher wie bei der FM2 oder FM3a an. Man lernt damit besser zu fotografieren, sich mehr Zeit zu nehmen und zu verstehen, was man tut. Ich denke, jemand der jeden Tag hunderte Fotos macht, hat das in Fleisch und Blut. Ich fotografiere meistens einmal pro Woche und mir hilft das ungemein. Insbesondere in Kombination mit lichtstarken Festbrennweiten – gern auch AI oder AI-s, ist es eine Freude mit dieser Kamera zu arbeiten. Nikons Werbeversprechen „Pure Photography“ wird von der Kamera eingelöst.

Dinge, die andere Leute stören, mir aber egal sind

Kartenslot und Handgriff:

Für alle D700 Nutzer heißt es das Speichermedium wechseln. Die Df nutzt SD-Karten zum Speichern der Daten, es gibt wie bei der D700 nur einen Slot. Mich stört das jedoch nicht, mir ist auch in 15 Jahren Digitalfotografie noch nie eine Speicherkarte kaputt gegangen. Dieser Slot befindet sich neben dem kompakten Akku, dazu muss eine Klappe am Boden der Kamera geöffnet werden, was bei der Verwendung von Stativplatten störend sein kann.

Viele Nutzer stören sich am fehlenden Handgriff der Df. Ich war auch extrem skeptisch, halte die Kamera aber wieder so, wie früher meine Praktika oder FM2 am Objektiv. Aufgrund des geringen Gewichts nutze ich auch keinen Trageriemen mehr, denn sie liegt bequem in der Hand. Die Position der Trageriemenösen ist für mich nicht nachvollziehbar nach vorn orientiert – stört mich aber nicht. Ich habe mir in den vielen Jahren inzwischen angewöhnt keinen Trageriemen mehr zu nutzen und fotografiere dadurch etwas freier und uneingeschränkter.

Nikon Df Handgriff


Funktionsumfang:

Dass die Kamera keine Videofunktion hat, kann ich ihr verzeihen, denn ich benötige Video nicht – dafür hatte ich eine Canon HF-G10 und inzwischen filme ich mit Smartphones, wie dem Google Pixel 3a. Die Df hat kein integriertes Blitzlicht, die D700 hatte das. Ich habe den Blitz allerdings auch nur dann genutzt, wenn die Lichtempfindlichkeit des Sensors kein brauchbares Foto mehr erlaubt hat – das hat sich bei der Df deutlich ins hohe ISO-Spektrum verlagert – mir fehlt der Blitz deshalb nicht. Und wenn ich mal wirklich einen brauche, nehme ich ein oder gleich mehrere externe Blitzgeräte, wie ein SB-700 von Nikon mit. Das funktioniert hervorragend.

Was mich nach 5 Jahren echt nervt

Das AF-Modul:

Es stört mich seit dem ersten Tag und ist heute noch mein größter Kritikpunkt: Das verbaute Autofokussystem kann man angesichts des Neupreises nur als Frechheit bezeichnen. Bei gutem Licht kann man sich auf das System noch einigermaßen verlassen, sobald es aber dunkler wird, versagt es komplett. Die maximal 39 Autofokuspunkte sind sehr dicht aneinander, was bei bewegten Motiven stört. Auf das AF-System der D700 konnte man sich meistens verlassen, die Df produziert hier deutlich mehr Ausschuss. Das ist gerade in Kombination mit einem Sensor, der speziell für schwierige Lichtverhältnisse gemacht ist, paradox. Als Workaround kann bei schlechtem Licht auf manuellen Fokus umgestiegen werden, wobei der Live-View bei starker Dunkelheit zur Fokussierung genutzt werden kann – das funktioniert deutlich besser als über den optischen Sucher, geht allerdings zulasten der Akkulaufzeit. Untertags funktioniert das fokussieren mit manuellen Objektiven meines Erachtens nach über den Sucher sehr gut, auch wenn die Df keine Schnittbild Mattscheibe mitbringt.

Etwas Abhilfe schafft bei schlechtem Licht das AF-Hilfslicht meines SB-700, damit trifft man dann die Motive doch noch ganz gut. Immerhin kann man auch das 3D-Tracking nutzten, wie bei anderen Kameras auch. Ich fokussiere über den Backbutton, nicht über den Auslöseknopf. Mit dieser Technik konnte ich den Ausschuss über die Jahre etwas reduzieren.

Wer einen absolut treffsicheren und superschnellen Autofokus in fast jeder Situation braucht, sollte eher zur D750 / D780 oder D850 greifen. Speziell beim Fotografieren von Kindern habe ich oft meine liebe Not hinterher zu kommen.

Halbherzige Umsetzung des Gesamtkonzepts:

Bei der Gestaltung der manuellen Bedienelemente verstehe ich einige Dinge überhaupt nicht. Wozu gibt es beispielsweise überhaupt einen PASM-Schalter? Den braucht kein Mensch. Stattdessen ein A auf die Verschlusszeitauswahl und eins auf die Blendenauswahl an der Vorderseite und die Kamera arbeitet im P-Mode. Das haben alle anderen Hersteller schon vor Nikon verstanden. Genauso bei der Lichtempfindlichkeit. Warum kann man die Lichtempfindlichkeit bequem über ein Rad verstellen, aber nicht auf AUTO-ISO schalten? Dazu kann ich nur sagen: schade, dass das so gedankenlos umgesetzt wurde oder werden musste.

Nikon Df Oberseite mit ISO-Wahlrad und Belichtungskorrektur
Nikon Df Oberseite mit ISO-Wahlrad und Belichtungskorrektur

Was ist kaputt gegangen?

Die Nikon Df hat mich in den letzten Jahren nie im Stich gelassen, hat auch unter widrigsten Bedingungen immer tadellos funktioniert. Wie auch bei meinen anderen Nikon-Kameras habe ich Probleme mit sich ablösenden Gummierungen, das war bei der D700 und bei der D50 auch schon ein Problem. Ich habe nach 5 Jahren die Gummierung beim Nikon Servicepoint ersetzen lassen – das war nicht teuer.

Das Gehäuse scheint nicht so gut gegen Staub abgedichtet zu sein, wie andere Nikon DSLR. Ich muss die Kamera mindestens einmal pro Jahr zur Sensorreinigung bringen – meine D700 war nicht so schnell eingestaubt. Die Ultraschallreinigung und auch gelegentliche Reinigung mit Blasebalg oder Dosenluft reicht nicht, um den Schmutz langfristig zu entfernen.

An der Gehäuseunterseite und auch an den Einstellrädern sieht man inzwischen einige Gebrauchsspuren in Form von Abrieb oder kleineren Kratzern. Die Kamera hat also etwas Patina bekommen – die Funktionalität ist davon jedoch nicht beeinträchtigt.

Mein Fazit nach 5 Jahren

Auch 2020 ist die Nikon Df eine erstklassige Kamera. Man bekommt ein zuverlässiges Arbeitsgerät mit einem großartigen Sensor. Wem 16 Megapixel ausreichen, bekommt richtig schöne Farben – insbesondere Hauttöne, einen tollen Dynamikumfang und das alles in einem hervorragenden Retrobody.

Diese Kamera richtet sich an semiprofessionelle Reisefotografen, die Bilder nicht im Akkord machen müssen und denen es vor allem um geringes Gewicht und bestmögliche Bildqualität geht. Es geht auch um eine Emotionalisierung des Fotografierens, das Erlebbar machen des Anfertigens eines Bildes. 

Wer bei etwas höherem Gewicht das optimale Gesamtpaket sucht, keinen Wert auf Design-Schnick-Schnack legt und einfach nur schnell viele Fotos machen möchte oder muss, ist für den gleichen Preis mit einer D750 oder D780 besser bedient. Wer sich etwas mehr Zeit nehmen möchte, gern auch mit manuellen Objektiven fotografiert und auch schon Nikons klassische Kameras FM2 oder FM3a mochte, wird sehr sehr glücklich mit der Nikon Df.

Ich habe lange überlegt, ob ich nicht auf das Z-System wechseln sollte – aber für meine Art zu fotografieren, ist die Z-Serie zu technisch nüchtern. Die Df ist eine emotionale Kamera, etwas für Menschen, die Kameras und Fotografie lieben. Vielleicht legt Nikon diese Kamera nochmal mit einem D5-Sensor und etwas besserem AF-Modul auf. Ich würde sie vermutlich kaufen.

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