Wenn Sie in Georgien sind und ein paar Tage Zeit haben, sollten Sie die Georgische Heerstraße hinauf bis zur Grenze zur Russischen Föderation fahren. Auf diesem Weg erfahren Sie wörtlich Geschichte.

Die Georgische Heerstraße verbindet die georgische Hauptstadt Tbilisi mit dem russischen Wladikawkas in der Provinz Nordossetien. Sie zweigt bei Mzcheta von der S-1 nach Norden ab und führt gut ausgebaut über Pasanauri und Gudauri zum Kreuzpass. Der Kreuzpass war bis vor wenigen Jahren der am schlechtesten befahrbare Teil der Strecke und stellt mit 2379 Metern (die Höhenangaben schwanken in der Literatur) über dem Meeresspiegel den niedrigsten Übergang über den großen Kaukasus dar. Inzwischen ist diese Straße eine wirklich gut ausgebaute Piste bis zur Grenze. Hinter dem Kreuzpass führt die Straße bergab nach Norden entlang der Dariali-Schlucht bis nach Stephansminda, der Stadt am Fuße des Kazbeg. Von Stephansminda – früher hieß die Stadt Kazbegi - sind es nur noch wenige Kilometer bis zur Russischen Grenze. Von Tbilisi aus beträgt die Gesamtdistanz etwa 160km. Wenn Sie ein Visum für Russland haben, können Sie von der Grenze in etwa 30km bis in die nordossetische Hauptstadt Wladikawkas fahren.

Streckenführung und Highlights



Georgische Heerstraße auf einer größeren Karte anzeigen

Zur Geschichte


Die Georgische Heerstraße führt entlang eines bereits seit Jahrtausenden genutzten Handelswegs über den Kreuzpass durch den hohen Kaukasus von Georgien nach Russland. Bereits im ersten Jahrhundert vor Christus wurde dieser alte Handelsweg durch den griechischen Geograph Strabon erwähnt. Dieser Handelsweg war über Jahrhunderte eine der wenigen Möglichkeiten über den Kaukasus von Nord nach Süd und umgekehrt ohne große Umwege zu gelangen. Zeitweise sicherten römische Truppen den Weg. Es waren letztendlich die Russen, die diesen Weg ausbauten und zur Versorgung ihrer Truppen nutzten und sicherten. Zahlreiche Meldetürme in den Schluchten dienten zur Kommunikation und zeugen heute noch von der langen Geschichte der Strecke. Im letzten Jahrhundert wurden weite Teile asphaltiert und der Lawinenschutz verbessert. Diese Tätigkeit wurde vor allem durch deutsche Kriegsgefangene erledigt. An der Kreuzpasshöhe zeugt ein kleiner Soldatenfriedhof von ihrem Schicksal. Heute ist die Heerstraße nach Öffnung der Grenzen zwischen Russland und Georgien wieder ein wichtiger Handelsweg, denn die Verbindung zwischen Russland und Georgien ist im Westen durch Abchasien abgeschnitten. Bei gelegentlichen politischen Spannungen zwischen Russland und Georgien kann es allerdings zu Grenz- oder Streckensperrungen kommen. Bei Grenzschließung kann es auch zu kilometerlangen LKW-Staus auf dem Weg nach Norden kommen, hier etwas vorsichtiger fahren.

Sehenswertes



Mzcheta


Blick auf Mzcheta

Mzcheta im Rahmen der Tour entlang der Georgischen Heerstraße zu besichtigen, ist fast unmöglich, da die historische Altstadt und besonders die Swetizchoweli-Kathedrale allein schon mindestens einen Tag erfordern. Wenn Sie die Zeit haben, fahren Sie von Tbilisi bis Mzcheta und bleiben Sie einen Tag dort, übernachten und fahren am nächsten Tag nach Norden. Die Abbiegung nach Stephansminda ist an der S1 westlich von Mzcheta gut ausgeschildert.

Zhinvali-Stausee


Zhinvali Stausee

Der Zhinvali- oder Ananuri-Stausee wurde in den siebziger Jahren errichtet. Er dient als Wasserreservoir und dehnt sich weit über 2 große Täler aus. In einem der Täler wurde leider der sehr alte ursprüngliche Ortskern von Ananuri geflutet.

Wehrkirche Ananuri


Wehrkirche Ananuri

Die Ursprünge der Festung Ananuri gehen bis ins fünfzehnte Jahrhundert zurück, die heute sichtbaren Gebäude stammen jedoch aus dem siebzehnten Jahrhundert. Besonders die Südfassade der jüngeren Kirche Mariä Himmelfahrt mit einem wunderschönen Kreuzdekor ist sehr sehenswert. Der Komplex besteht aus zwei Kirchen und einer großen Festungsmauer.

Wintersportzentrum Gudauri


Völkerfreundschaftsdenkmal bei Gudauri

Gudauri liegt auf über 2000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel und ist eines der Wintersportzentren Georgiens. Hier gibt es reichlich Hotels, Herbergen und Skilifte und eine Bergstation auf über 3000 Metern Höhe. Im Winter soll bei gutem Wetter auch die Möglichkeit des Helikopterskifahrens geboten sein. In Gudauri beginnt der Kreuzpass. Nur etwa 10 Minuten Fahrt nach Norden führen den Reisenden zum Völkerfreundschaftsdenkmal aus den Zeiten der Sowjetunion. Es erinnert an den Anschluss Georgiens an Russland vor knapp 200 Jahren.

Passhöhe Kreuzpass


Passhöhe Kreuzpass

Unweit des Denkmals erreicht man die Kreuzpasshöhe, welche mit 2379 Metern über dem Meeresspiegel den niedrigsten Übergang über den Hohen Kaukasus darstellt – sozusagen der Brennerpass Georgiens.

Mineralquelle zwischen Passhöhe und Kobi


Blick auf Mineralquellen entlang der Straße

Entlang der Kreuzpassstraße finden sich zahlreiche Mineralquellen, die aufgrund ihres hohen Mineralgehaltes große Sinterterrassen an den Berghang ausprägen. Hier lohnt ein kurzer Fotostopp, wenn man sie sieht.

Stephansminda


Blick auf Gergetis Sameba und den Kazbeg von Stephansminda

Stephansminda ist das Tor zum Kazbeg. Hier gibt es zahlreiche Restaurants, Pensionen und einige Hotels. Der kleine Ort bietet einen grandiosen Blick auf den Kazbeg und die darunter liegende Gergetis Sameba.

Gergetis Sameba


Blick auf Mzcheta

Die Gergetis Sameba, die Dreifaltigkeitskirche liegt auf etwa 2200 Metern Höhe am Fuße des Kazbeg. Die Kirche ist sehr sehenswert, noch beeindruckender ist die Stimmung auf dem Hochplateau. Man sieht die Adler in der Mittagssonne kreisen und eine Wolkenfahne am weißen Riesen Kazbeg. Wer kann, sollte zu Mariamoba an diesen Ort kommen. Dann ist die gesamte Hochebene gefüllt mit Pilgern und Menschen, die ausgelassen feiern und tanzen.

Zur Gergetis Sameba gelangt man relativ einfach. Von Stephansminda aus muss man nur wenige Kilometer ins Örtchen Gergeti fahren oder laufen. Von dort führt ein steiniger Weg über zahlreiche Serpentinen und durch ein kurzes Waldstück hinauf auf die Hochebene. Die Straße ist mit einem PKW nicht befahrbar, es wird ein Geländewagen benötigt.

Dariali-Kloster


Klosterkomplex Darialis Monastery

Der Komplex des Dariali-Klosters wird gerade nahe der Grenze zur Russischen Föderation errichtet, dort wird auch ein Hotel gebaut. Dieser Punkt stellt die nördlichste Sehenswürdigkeit der Strecke auf georgischer Seite dar.


Straßenzustand / Tankmöglichkeiten


Diese Angaben stammen aus dem Sommer 2016. Angesichts der regen Bautätigkeit in Georgien und der politischen Unsicherheiten der Beziehungen zum russichen Nachbarn, können sich die hier beschriebenen Zustände schnell ändern. Bitte im Zweifelsfall noch einmal versuchen aktuellere Informationen zu bekommen.

Die georgische Heerstraße ist seit 2014 mit einem normalen PKW problemlos fahrbar – dies schließt jedoch den Besuch der Gergetis Sameba mit dem Auto aus, dafür benötigt man entweder 2 Stunden zu Fuß oder eine halbe Stunde mit einem Geländewagen. Zwischen Tbilisi und Gudauri ist die Straße gut ausgebaut, teilweise in ausgezeichnetem Zustand. Es gibt wenige Schlaglöcher, vor den Brücken muss man nicht zwangsweise bis auf Schrittgeschwindigkeit herunter bremsen (wenn nicht gerade eine Kuhherde auf der Brücke Mittagspause macht) und der Verkehr ist weniger chaotisch, weil hauptsächlich Russen diese Strecke befahren. Der nördliche Nachbar scheint weniger zu halsbrecherischer Fahrweise zu neigen. Das Foto hier zeigt den Straßenzustand nahe des Zhinvali Stausee unweit der Festung Ananuri.

Straßenzustand nahe dem Zhinvali Stausee 2012

Ab Gudauri ist die Straße seit 2014 ebenfalls sehr gut ausgebaut, so dass man heil über die Passhöhe am Kreuzpass kommen sollte. Gelegentliche Erdrutsche können ganzjährig zu Straßensperrungen führen.

Straßenzustand nördlich von Gudauri 2012

Im Winter sollte man speziell für den Kreuzpass undbedingt detaillierte Informationen einholen, denn bei Schneebrett- und Lawinenabgängen kann die Strecke teilweise nicht befahrbar oder ganz gesperrt sein. Im Zweifelsfall sollten im Winter Schneeketten mitgeführt werden. Über die Straßenbeschaffenheit nördlich der Grenze bis Wladikawkas kann ich leider keine Angaben machen.

Das Tankstellennetz ist relativ dünn, man sollte nicht mit leerem Tank fahren oder die Tankgelegenheiten nutzen. Tankmöglichkeiten gibt es in Mzcheta, Gudauri, nördlich von Kobi und in Stephansminda. Erdgas gibt es leider an keiner der Tankstellen. Teilweise wird auch an der Straße Benzin in Flaschen oder Kanistern verkauft.
Bei Kobi gibt es auch einen Vulkanisateur - Lewani, falls man einen Reifenschaden hat. Seine „Werkstatt“ ist zwar nicht direkt an der Straße zu erkennen, aber ein wenig Herumfragen nach Lewani bringt einen problemlos dahin.

Fazit


Die Georgische Heerstraße ist immer noch ein kleines Abenteuer aber längst nicht mehr so spektakulär wie noch vor einigen Jahren. Links und rechts des Weges lohnen zahlreiche Sehenswürdigkeiten einen Stop. Am besten man übernachtet in Mzcheta und Stephansminda. Gönnen Sie sich 2 bis 3 großartige Tage im Norden Georgiens und beobachten Sie den magischen Flug der Adler an der Gergetis Sameba. Das ist ein einzigartiges Schauspiel, welches die mühsame Reise wert ist. Fahren Sie ein Stück Geschichte.

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